Nirgends ist’s so fein wie daheim – das wissen ganz besonders USA-Reisende.

Selbst ausgewiesene Kosmopoliten fühlen sich als Touristen von den USA überfordert. Ihr Fazit: Für gesunden Lifestyle hat Europa deutlich mehr zu bieten als die amerikanische Westküste.

Freunde werden Gerhard K. und die USA keine mehr. Was eigentlich erstaunlich ist, war doch Gerhard K. dem Land und den Leuten in den USA immer sehr zugetan. Von ihrer Aufgeschlossenheit wusste er zu berichten, von einem Lebensgefühl, das er hierzulande sehr vermisse. Die Küche schätzte er und auch die Weine des Landes. Das liegt nun hinter ihm. Heute hält Gerhard K. es mit Goethe: „Wozu in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah!“ Anders gesagt: Der anglophile, kosmopolitische K., der früher dem heimischen Lifestyle nicht nur wegen der raunzenden Mentalität und offen zur Schau getragenen Provinzialität eher kritisch gegenüberstand, ist nach seiner letzten USA-Reise überzeugt: Zu Hause ist es doch recht schön. Während ein Aufenthalt in den USA – zumindest an der West Coast – mittlerweile recht unerfreulich ist.

Weniger USA-Reisende

Im Frühsommer hatte er sie mit einer größeren Reisegruppe bereist, der Trip war mehr Business- als Vergnügungsreise gewesen. Schon im Flugzeug musste er sich wundern – die Hälfte der Plätze war leer geblieben. K. schob das mangelnde touristische Interesse auf den Zeitpunkt: Abseits der Saison, dachte er, würden eben weniger Menschen an die Westküste fliegen wollen. Andererseits ist eine Reise aus Europa an die Westküste der USA ein Trip, den man nicht unbedingt mit der Family machen muss. Also – warum so wenig Menschen im Flieger?

Steigender Dollar & Einreisehemmnisse

Die offiziellen Zahlen der Touristiker bestätigen die Einschätzung: Bis Sommerbeginn verzeichneten die Fluglinien in die USA um 3,5 % weniger Buchungen, berichtet das Handelsblatt. Ein deutliches Indiz dafür, dass die USA als Reiseziel Attraktivität eingebüßt hat. Aber woran genau liegt das? Zum einen, wissen Experten, natürlich am damals immer stärker werdenden Dollar. Der macht Reisen in die USA teurer, vor allem für Familien. Ein anderer Grund ist die Verschärfung der Einreisebe-stimmungen durch Präsident Trump: Ganze Reisegruppen stornierten, weil die Visa-Politik für Menschen bestimmter Herkunft keine Einreise mehr zuließ;
Geschäftsreisen aus dem arabischen Raum waren wegen eines Verbots von Laptops teils verunmöglicht worden.

Fettleibigkeit nimmt zu

Dazu kommt eine schleichende Verarmung in den USA selbst. Auch sie macht das Land zunehmend unattraktiv. Augenscheinlich wird die Schere zwischen Arm und Reich im Straßenbild und vor allem im gastronomischen Angebot. Gerhard K. berichtet: „Die wenigen gastronomischen Hotspots, an denen man halbwegs gut essen kann, sind maßlos überteuert. Wer sich das nicht leisten kann, ernährt sich offenbar tatsächlich ausschließlich von Fastfood.“ Das schlage sich nicht nur in einem offensichtlichen Überangebot an Fastfoodketten nieder, sondern werde auch an der physischen Disposition der Amerikaner deutlich. Gerhard K.: „Wenn man durch San Francisco oder L.A. geht, dann hat man das Gefühl, dass zwei Drittel der Amerikaner krankhaft fettleibig sind.“ Tatsächlich leiden Studien zufolge „nur“ ein Drittel der Amerikaner an Adipositas, zwei Drittel aber sind übergewichtig. Besonders hoch ist in den USA die Zahl der fettleibigen Kinder; sie steigt Jahr für Jahr. Vergangenes Jahr litten einer amerikanischen Studie zufolge 4,5 Millionen US-Kinder an besonders schwerer Fettleibigkeit – ein trauriger Rekord.

Steigende Kriminalität

Davon abgesehen, so Gerhard K., sind auch die touristischen Hotspots an der Westküste total überlaufen. „Das Straßenbild wird immer unattraktiver. Überall Dreck und Schmuddeligkeit. In San Francisco gibt’s nur eine Handvoll Dinge, die man wirklich gesehen haben muss. Und in L.A. muss man aufpassen, dass man nicht in eine Schießerei gerät, die Kriminalität ist dort so hoch, dass man sich einfach nicht mehr sicher fühlen kann.“ Tatsächlich steigt die Kriminalitätsrate in den USA seit Jahren erstmals wieder an. Dafür verantwortlich: Bandenkriminalität, Opioid- und Heroinhandel sowie die Verfügbarkeit von Waffen.

Europa ist in vielerlei Hinsicht das bessere Reiseziel

Die Lebensqualität, so hört man von vielen USA-Heimkehrern, ist in Europa um ein Vielfaches höher: Man isst besser, lebt sicherer und pflegt einen gesünderen Lebensstil. Trotzdem gibt’s auch in den USA noch immer Highlights. Zum Beispiel das Yosemite Valley: Naturverbundene kommen hier ganz auf ihre Kosten. Der Nationalpark ist riesig und gehört zu den eindrucksvollen Landschaften der Welt. Dennoch: „In Europa hab’ ich alles das quasi vor der Haustüre“, so Gerhard K. „So richtig bewusst wird dir das erst, wenn du am Heimflug die Positionsdarstellung des Flugzeugs auf der Route verfolgst. Wenn du z. B. nur die kulinarische Diversität Europas zum Vergleich heranziehst. Je weiter nach Osten sich das Flugzeugsymbol über den europäischen Kontinent bewegt, desto klarer wird dir: Selbst in England ist das Essen besser, von der Küche in Spanien, Portugal, Frankreich bis zur Landung in Wien: Man überfliegt einen Kontinent voller Lebensqualität in verschiedener Ausprägung. Fazit: In den USA ist’s überall das Gleiche. In Europa kann ich’s mir aussuchen.