Die mobile Nabelschnur zum Leben

Wer kennt das nicht: Man sitzt in der Früh im Auto, Bus oder Zug. Plötzlich der Schock: Das Handy ist nicht dabei. Panik macht sich breit: Man ist nicht mehr erreichbar, kann weder SMSen noch Facebook erreichen, kann weder E-Mails lesen noch die neuesten News im Web studieren oder sich mobilen Games hingeben. Ein Gefühl kompletter Verlorenheit ergreift den Handylosen. Es ist, als ob ihm die Nabelschnur zum Leben gekappt worden wäre. Ist die Abhängigkeit von einem mobilen Gerät so groß geworden, dass man sich ohne dieses glänzende Kästchen in unserer modernen Welt tatsächlich ganz verloren vorkommt?

Immer online — die neue Freiheit?

Wir sind immer erreichbar, können ständig unseren Senf zu fast allen Themen abgeben, sind unabhängig von Ort und Tageszeit immer mitten im Arbeitsleben. Nonstop „part of the game“ – auch im Urlaub oder am Wochenende. Über 80 % der Österreicher besitzen ein Smartphone. Im Schnitt wirft man 88 Mal am Tag einen Blick aufs Display. Surfen, chatten, posten etc. macht viele „Super User“ langsam, aber sicher vom smarten Begleiter abhängig. Bereits 280 Millionen Menschen weltweit werden als chronisch handysüchtig eingestuft. Vielen Jugendlichen und Kindern fällt es zunehmend schwer, sich auf Dinge außerhalb des Handykosmos zu konzentrieren. Die ständige Erreichbarkeit lässt bei ihren Eltern die Erholungsphasen schwinden und freie Zeit zu Arbeitszeit werden. Die Kommunikation mit der Umwelt verarmt, wird nur mehr über Textnachrichten erledigt oder in soziale Netzwerke verschoben. Wie kann man selbst den Kopf aus dem nach vorne gebeugten „Handynacken“ ziehen und der Handyabhängigkeit vorbeugen?

5 Wege zur mobilen Unabhängigkeit

1. Handyfreie Zonen schaffen
Der erste Schritt zur bewussten Handynutzung ist ein bisschen Disziplin. Am besten legt man genau fest, wo das Handy keinen Platz mehr hat. Man schafft sich so handyfreie Zonen, wo das Leben nur einem selbst gehört. Genauso sind bestimmte Tageszeiten oder Anlässe handyfrei zu halten. Zum Beispiel könnte das Handy beim Essen mit der Familie, im Urlaub, beim Sport oder bei Einladungen einfach abgedreht bleiben. So kann man den Alltag wieder für sich gewinnen und sich so richtig entspannt dem echten Leben widmen.

2. Mehr reden statt nur texten
Man muss nicht immer texten, um anderen etwas mitzuteilen. Reden ist menschlich, bringt viel Gefühl rüber und man kann aus dem Gesicht und den Gesten eines Gegenübers mehr lesen, als ein SMS je sagen könnte. Einfach bei jeder Textnachricht überlegen, ob man das nicht auch bei nächster Gelegenheit persönlich bereden könnte! Das vermeidet auch viele in erster Emotion abgesendete „Blindgänger“.

3. Mit Apps die Handynutzung kontrollieren
Mit Apps wie Hypnobeep oder Menthal kann man sehr übersichtlich und fast spielerisch die Handynutzung kontrollieren und zeitlich begrenzen. Beide Apps und viele andere mobile Helferleins findet man in den App-Stores der Anbieter.

4. Auf stumm schalten
Wenn man die Alarmtöne abdreht, schaltet man auch selbst ein wenig ab. Der Stress der lästigen Klingeltöne oder „Ringtones“ fällt von einem ab, man gewinnt wieder mehr Kontrolle über sein Leben zurück. Das Handy ruht und man kommt selbst
zur Ruhe.

5. Echte Freunde im echten Leben treffen
Man kann es nach vielen Stunden in sozialen Netzwerken kaum mehr glauben. Dennoch ist es wahr: Es gibt sie noch, die echten Freunde und Bekannten aus Fleisch und Blut. Vor allem Kinder und Jugendliche drohen mit ihren Smartphones zu vereinsamen. Einfaches Rezept: Wieder einmal spontan etwas ausmachen und mit Menschen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat, spannende Dinge unternehmen. Am besten ohne Handy im Gepäck!